Von Bundenbach nach Hottenbach

Stationen am Sironaweg

Keltensiedlung Altburg bei Bundenbach
Die Altburg ist eine für das rheinische Mittelgebirge typische keltische Burg des 3.-1. Jahrh. vor Chr.. Sie nutzt eine zu allen Epochen zum Burgenbau bevorzugte Spornlage. Die etwa 20 000 qm große Felsspitze ist durch eine Mauer mit Graben künstlich abgeriegelt worden. Die Mauerruine steckt in dem Wall, dessen einbiegendes Ende auch den alten Eingang markiert. Der am Torturm viermal erneuerte Wehrbau bestand aus einem Balkenwerk mit Trockenmauerverblendung und Erdfüllung.
Bei den 1971-75 durchgeführten archäologischen Ausgrabungen wurde fast die gesamte Innenfläche bis auf den Fels abgedeckt, wo sich dichte Bauspuren abzeichneten. Auf diesen Grundlagen konnte ein Ausschnitt der eisenzeitlichen Innenbebauung rekonstruiert werden.
Die vorherrschende Bauweise machte für jeden Bau vier oder mehr Pfostengruben notwendig. Die Holzständer und Lehmwände der Häuser verfielen und hinterließen nur die Löcher im Fels. Etwa 3600 Pfostengruben, dazu Palisaden- und Zaungräben sowie ein Keller, bezeugen eine mehrfach erneuerte Bebauung.
Vom Burgtor läuft ein Weg zur Spitze des oberen Burgplateaus. Der Innenraum ist durch eine Abgrenzung hinter der Mauer deutlich geteilt worden. Diese rekonstruierte Oberburg enthält den ungewöhnlichen Felsenkeller und weist auch in der Bebauung Besonderheiten auf. Dies und der überdeutliche Wunsch nach Absonderung lassen die Oberburg als wahrscheinlichen Sitz des Burgherren erscheinen. Die Unterburg war in einem Raster schmaler Gassen mit einem zentralen Platz kleinteiliger bebaut.
Die Rekonstruktionen stehen in den ursprünglichen Fundamentgruben und entsprechen in Baumaterial und Konstruktionsweise im wesentlichen dem Ausgrabungsbefund. Viele Details sind aber auch ungesichert oder notgedrungen mit modernen Mitteln verwirklicht worden.
Der Zweck des Felsenkellers samt Korridor und Stufen ist unklar. Wie der durch das moderne Schutzhaus vertretene Oberbau genau aussah, ist unbekannt. Auch erst ein Drittel der Pfostengruben konnte bestimmten Grundrissen zugeordnet werden. Diese erlauben Aussagen über die Konstruktion der aufgrund ihrer Bauweise nur kurzlebigen Bauten.
Die Gesamtzahl zu einem bestimmten Zeitpunkt, der jeweilige Anteil von Häusern und Speichern und damit auch die Einwohnerzahl sind noch nicht verlässlich ermittelbar. Rekonstruiert sind 5 Wohnhäuser. Die im Boden verkeilten und oben verstrebten Ständerpfosten tragen die Dachkonstruktion und bilden das Wandgerüst. Die Wände aus lehmverputztem Flechtwerk ließen die kantig zugerichteten Konstruktionshölzer frei. Der Innenraum öffnete sich ohne regelrechten Zwischenboden zum Dach hin, ehedem wohl aus Stroh oder Holzschindeln. Die Tür als einzige Öffnung, die offene Feuerstelle auf dem Lehmfußboden, der Rauchabzug durch den Dachraum und ein denkbar bescheidenes Mobiliar bildeten wohl das wenig bekannte Innenleben solcher Häuser. Rekonstruiert sind ferner 5 zum Schutz gegen Schädlinge und Feuchtigkeit aufgestelzte Speicher. Sie ergänzen die konstruktiv zum Lagern wenig geeigneten Häuser.
Die Altburg wurde gegen 300 vor Chr. angelegt und war 78 vor Chr., 20 Jahre vor dem römischen Eroberungskrieg Caesars in Gallien (58-50 vor Chr.), noch in Benutzung. Gründe für den Burgenbau sind im keltischen Gesellschaftsgefüge zu suchen.
Die nächsten gleichrangigen Nachbarn des Burgherren residierten bereits 9-15 km weiter (Schlossberg von Dhaun; Wildenburg bei Kempfeld). Der bei den Ausgrabungen geborgene Abfall weist für die Burg keine nennenswerte Handels-oder Gewerbetätigkeit nach. Die Sonderstellung des Burgherren zeigen aber aus dem Mittelmeerraum bezogene Weinamphoren an. In einem Umfeld ländlicher Hofstellen nahm die Altburg wohl die Position eines kleinen Zentrums ein, bestimmt von der starken Stellung des Burgherren innerhalb einer abhängigen Kleinregion. Die Auflassung der Altburg, sicherlich nicht aufgrund militärischer Intervention der Römer, könnte gleichwohl mit den Erschütterungen des Gallischen Krieges bei dem hier ansässigen Stamm der Treverer zusammenhängen. Auf jeden Fall boten sich in den Jahren danach dem einheimischen Adel attraktivere Möglichkeiten, Status zu demonstrieren, als eine Burg zu unterhalten.

 
Text H. Nortmann