Von Bundenbach nach Hottenbach

Stationen am Sironaweg

Römischer Viergötterstein in der evangelischen Kirche Hottenbach
Von der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Kirche ist heute nur noch der ehemalige Chorturm aus jetzt unverputztem Bruchsteinmauerwerk erhalten. Das westlich anschließende, im Kern ebenfalls mittelalterliche Kirchenschiff wurde im Jahre 1903 abgebrochen und nach Plänen des Regierungsbaumeisters August Senz durch einen Achteckbau ersetzt.
Im Erdgeschoß des Turmes befindet sich heute ein römischer Viergötterstein. Seine vier Seiten zeigen die Gottheiten Juno, Minerva, Herkules und Merkur. Derartige Steine dienten als Sockel für Säulen, die einen auf einem Pferd sitzenden Jupiter tragen, der einen Giganten niederreitet.
Diese "Jupitergigantensäulen" gehören in unserem Gebiet zu den häufigsten Weihendenkmälern des 2.-3. Jahrh. nach Chr., sie standen in Heiligtümern oder in der Nähe von Gutshöfen. Die dargestellten Götter gehen auf die zentrale Gruppe im Giebel des kapitolinischen Jupitertempels in Rom zurück.
Mit der Einführung dieser neuen Denkmälergattung war es gelungen, dem römischen Staatsgott auch außerhalb der Städte einen Verehrerkreis zu erschließen. Einst war der Stein Bestandteil des mittelalterlichen Hochaltars, offenbar Ausdruck einer christlichen Umdeutung der Darstellungen als Heiligenfiguren.
Denkbar ist aber auch eine rituelle Entdämonisierung des heidnischen Göttersteines durch seine Einbeziehung in die christliche Liturgiefeier.