Sirona Pavillon in Stipshausen
und das römische Pilgerheiligtum von Hochscheid

3
km südöstlich von Hochscheid und knapp 3 km westlich von Stipshausen
(für die Öffenlichkeit aus denkmalpflegerischen Gründen nicht
zugänglich gemacht) konnten in einem quellreichen Gebiet inmitten des Idarwaldes
in den Jahren 1939/40 sowie zwischen 1962 und 1966 vom Rheinischen Landesmuseum
Trier und der Universität Saarbrücken umfangreiche Reste eines römischen
Heiligtums untersucht werden. Zweifellos handelte es sich dabei, wie die am Ort
nachgewiesenen Heilgötter und die als Herbergen und Heilbäder genutzten
Nebengebäude erkennen lassen, um ein frequentiertes Quell- oder Pilgerheiligtum
mit "Kurbetrieb"
und Trinkkuren aus einer "heiligen" Quelle.
Bereits gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr war dort ein nahezu quadratischer gallorömischer
Umgangstempel (13,5 x 14 m) errichtet worden, der in der Mitte der Cella eine gefasste
Quelle aufwies.
Hier konnten die Pilger das "heilbringende" Wasser schöpfen und auf ihre
Genesung hoffen. In der Cella standen auch die Kultbilder des Heilgötterpaares "Apollo
Grannus" und "Sirona", die den Gottheiten in der 2. Hälfte des 2.
Jahrhunderts von dankbaren Pilgern gewidmet worden waren.

Die
hier in Kopie aufgestellten Kultbilder
(siehe
Sirona) zeigen Apoll in seiner typischen Nacktheit in lässiger Haltung mit gekreuzten
Beinen. Auf seinem durch breite Strähnen gekennzeichneten Kopf trägt er einen
Lorbeerkranz. Neben ihm hockt ein Greif (Mischwesen), auf den er seine fünfsaitige
Leier gestützt hat.

Sirona
ist hingegen lebensgroß vor einem altarähnlichen Abschluss gezeigt. Sie trägt
ein gegürtetes Gewand und hat den Mantel
über ihre linke Schulter gelegt. Ein Diadem ziert ihr fälliges Haar. Mit ihrer
Rechten führt sie den Kopf einer Schlange an drei Eier heran, die auf einem Gefäß in
ihrer Linken liegen.
Nordöstlich des Tempels waren rund 60 bis 120 m entfernt noch drei Nebengebäude
errichtet. Eines (II) war um einen zentralen Hof gebaut und erreichte eine Ausdehnung
von 42 x 22 m. Es diente während des 2. und 3. Jahrhunderts n. Chr. offensichtlich
als Herberge. Wenig westlich davon lag eine in der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts
errichtete Heiltherme (III) mit der typischen Raumabfolge römischer Bäder (24,50
x 9,10 m). Die Bestimmung eines vierten Gebäudes (14,80 x 8,90 m) mit weitgehend
aus Lehmfachwerk bestehenden Mauern ist dagegen ungeklärt.
Es umfasste vier unterschiedlich große Räume, an die sich nach Osten eine
27,20 x 4,40 m lange, vielleicht offene Halle anschloss. Es war als einziges der Nebengebäude
nahezu zeitgleich mit dem Tempel errichtet worden, dürfte allerdings schon zu Beginn
des 3. Jahrhunderts aufgegeben worden sein. Das Ende des Quellheiligtums fällt in
die Zeit der Germaneneinfälle um 275/276 n. Chr.