Römische Villa Rustica
von Weitersbach

Wenig
südlich dieser Stelle lag unweit des Macherbaches eine römische
Villa, die 1953/55 vom Rheinischen Landesmuseum Trier untersucht wurde. Dabei
kamen innerhalb eines ummauerten Hofareals (79 m x 132 m = ca. 1 ha) neben
dem Herrenhaus (A) auch drei Nebengebäude (B-D) sowie außerhalb
des Bezirkes zwei weitere Bauten zutage. Solche von der Landwirtschaft geprägten
Gehöfte bildeten zur Römerzeit die Grundlage für die ländliche
Besiedlung und werden in der Forschung als "villa rustica" bezeichnet.
Das älteste bereits gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. errichtete Herrenhaus
(31,40 m x 22,50 m) zeigt den typischen Grundriß eines treverischen Bauernhauses.
Ein Kiesweg führte zur Eingangsseite, die eine 19 m lange und bis zu 5,20 m tiefe,
von turmartigen Räumen (Eckrisaliten) flankierte Säulenhalle betonte. Hinter
dieser Eingangsfront lag ein größerer Raum mit einer Herdstelle, an den sich
nach drei Seiten weitere Räume anschlossen. Der südliche Teil des rückwärtigen
Raumes bildete einen 2 m in den Boden eingetieften Keller.

Diese
Anlage stellt den einfachsten Typ einer römischen Risalitvilla dar, welcher
von Britannien über Gallien bis nach Spanien in vielen Abwandlungen verbreitet
war. Charakteristisch für diese VilIen ist der an der Hauptfront gelegene
Säulengang (Porticus) mit den beiden ihn überragenden Ecktürmen.
Hinter dieser Schmuckfassade gruppierten sich um einen großen Arbeits-
oder Wirtschaftsraum verschiedene Wohn- und Schlafräume. Bei späteren
Umbauten wurde meist auch ein kleineres Bad integriert.
Nach der Mitte des 2. Jahrhunderts musste die ältere Anlage weitgehend einem großzügigen
Neubau weichen. An die Stelle der alten Eingangshalle trat eine offene hölzerne
Pfostenhalle, die nach Südosten und Nordosten rechtwinklig umbog. Die Eckrisaliten
neben der Pfostenhalle wurden vergrößert, wobei im südlichen eine Badeanlage
mit einem Kaltbad (frigdidarium = Raum 4) wie der zugehörigen Wanne (Raum 2), einem
Warmbad (tepidarium = Raum 6) und einem Heißbad (caldarium = Raum 3) untergebracht
war. Die zugehörigen Feuerstellen (praefurnia) lagen in den Heizräumen 1 und
7.

Nach
275 n. Chr. wurde das Herrenhaus infolge eines verheerenden Germaneneinfalles zerstört.
Beim Wiederaufbau zu Beginn des 4. Jahrhunderts nahm man nur noch geringfügige Veränderungen
vor. Das hier gezeigte Modell im Maßstab 1:10 entspricht dieser dritten Bauperiode.
Die zu erwartenden Nebengebäude, wie Stallungen, Scheunen oder Schmiede, lagen in
der Südostecke der Umfriedung (B, C). Ein kleinerer Bau in der Nordostecke (D) enthielt
einen Ofen. Von den Gebäuden außerhalb der Hofmauer wies Bau "E" mehrere
Feuerstellen und Bau "F"
eine Darre auf.
Anders als die Mehrzahl der römischen Gehöfte des Hunsrücks bestand die
Weitersbacher Villa bis ins frühe 5. Jahrhundert fort, ehe sie bei einem der sich
in dieser Zeit häufenden Germaneneinfälle endgültig zerstört und
aufgegeben wurde.