Keltische Burg auf dem Bremer Berg bei Kirnsulzbach

Am
Rande des Nahetales erhebt sich mit teils schroffen Hängen 150
m
über dem Talgrund der "Brombeer-" oder "Ginster-"Berg. Noch um 1812
trug er den sprechenden Namen "Ringmauer". Die 260 m breite Kuppe überragt
um 10-15 m auch einen weiten Sattel, der sie mit der rückwärtigen Hochfläche
verbindet. Auf dem Kamm riegelt ein auffälliger Steinwall einen von Steilhängen
gesäumten Innenraum von 1,5 ha Fläche ab. An den Steilkanten setzte sich die Befestigung
in schwächerer Form wohl fort. Eine archäologische Ausgrabung erbrachte 1972 den
Nachweis einer um 514 vor Chr. errichteten keltischen Burg.
Der Steinwall stellt die Ruine einer mindestens 3,8 m breiten Mauer dar. Diese Mauer war
mit ausgesuchten Steinen beidseitig trocken aufgesetzt und im Innern mit Erde und Steinen
gefüllt. Ein eingebautes hölzernes Strebewerk mit drei Pfostenreihen diente der
Stabilisierung und trug eine hölzerne Brustwehr. Wenngleich hier die genaue Konstruktion
nicht bekannt ist, fügt sie sich doch in das Bild anderer keltischer Wehrmauern, die
die einzigen Steinbauten der Kelten waren.

Dem
Ostteil der Mauer gegenüber dem Sattel war durch Eingrabung und Auswurf ein 2 m tiefer Graben als Annäherungshindernis
vorgelagert, obwohl der Mauerfuß durch die natürliche Überhöhung bereits 5m gegenüber
dem Vorfeld aufragte.
Die Mauer mit ihrem hohen Holzanteil ist einem Brand zum Opfer gefallen und anschließend
nicht wieder aufgebaut worden. Die in der intensiven Glut teils glasig verschlackten Mauersteine
gaben Anlass zur weiteren Benennung der Stätte als "Glasburg", "Glasbläserkopf"
oder "Schlackenwall". Das Tor zur Burg lag nicht im Bereich des jüngeren Waldweges,
sondern ganz zurückgesetzt am westlichen, abgesenkten Ende der Befestigung.
Der
Steilhang zwang hier jeden Angreifer auf einen 60 m langen, als Pfad noch erkennbaren Weg parallel
zur Wehrmauer, in Reichweite der Besatzung. Der hölzerne Torbau wies nach dem Prinzip
des Zwingers in 5 m Abstand hintereinander zwei Tore auf. Wer das äußere Tor mit seiner
Durchfahrbreite von 2,4 m durchbrochen hatte, befand sich vom höherliegenden Wehrgang aus
von allen Seiten unter Beschuss.

Die
in die Steinmauer gesetzte Torkammer besaß eine mächtige
Rahmenkonstruktion aus Eichenholz. Boden und wohl auch Wände, Decke und Torflügel bestanden
aus Eichenplanken. Durch den Mauerbrand haben sich die verkohlten Hölzer erhalten können.
Nach einer Jahrringanalyse konnte das Fällungsdatum und damit Baujahr 514 vor Chr. ermittelt
werden. Auch ohne den Brand wäre die Anlage bauartbedingt allenfalls wenige Jahrzehnte ohne
Erneuerung gebrauchsfähig geblieben.
Über eine Nutzung des meist stark geneigten Innenraumes ist bis auf etwas Keramikabfall nichts
bekannt. Die noch um 1800 betriebene ackerbauliche Nutzung ist wohl für die erkennbaren Randterrassen
verantwortlich. Burgen dieser Zeitstellung lassen ohnehin keine inensive Besiedlung erwarten, falls
sie denn überhaupt dauerhaft bewohnt waren. Sie dienten wohl als Stützpunkt der Herrschaftssicherung
und zur demonstrativen Selbstbehauptung lokaler Herren in Kleingebieten von etwa 10- 15 km Ausdehnung.
Im Mittelrheingebiet wird als Folge der frühkeitischen Gesellschaftsentwicklung weiträumig
zur gleichen Zeit Burgenbau neu betrieben. Angesichts dessen ist an diesem Platz ein besonderer
Anlass nicht anzunehmen, auch wenn im unmittelbaren Hinterland bereits in keltischer Zeit auf Kupfer-
und Eisenerze zugegriffen werden konnte.