Keltisches Hügelgräberfeld
bei Wickenrodt

Friedhöfe
sind hierzulande die wichtigsten Informationsquellen zur keltischen Epoche. Zur frühkeltischen
Zeit im 6.-3. Jahrh. vor Chr. lagen alle Gräber unter Grabhügeln. Der Ausschnitt
eines solchen Friedhofes aus Grabhügeln hat sich hier, unter Waldbedeckung, bis heute
erhalten. Die 34 Hügel sind im Zuge erwachenden altertumskundlichen Interesses bereits
um 1844, 1863 und 1888 größtenteils angegraben worden. Eine Einsenkung im Zentrum
legt von den alten Trichtergrabungen oft noch Zeugnis ab. Nach den bisherigen Funden gehört
die erhaltene Hügelgruppe zum ältesten Teil des Gräberfeldes aus dem 6. Jahrh.
vor Chr.. Keltische Hügelgräberfelder liegen fast stets auf weitläufigen Rücken
oder Hochflächen.
Zur Belegungszeit waren diese Flächen zweifellos bereits gerodet und als Acker- und Weideland
genutzt.
Im Laufe einer
fortschreitenden, oft locker gruppierten Belegung über 300 Jahre erreichen diese Friedhöfe
mit bis zu 120 Hügeln eine Gesamtausdehnung von 800 - 2000 m. Auch hier hat sich das Gräberfeld
mit längst zerpflügten Hügeln sicher in der anschließenden Ackerflur fortgesetzt.

Die Zergliederung der Mittelgebirgslandschaft erlaubt zuweilen die Rekonstruktion der zu den Gräberfeldern
gehörigen, relativ ausgedehnten Siedlungskammer. Die Lage der zum Friedhof gehörigen Hofsiedlung
ist dagegen fast immer unbekannt und wechselt wohl auch. Die den Friedhof tragende Gemeinschaft dürfte
20-50 Personen nicht überschritten haben, dabei eingeschlossen allerdings ein sehr hoher Anteil
früh gestorbener Säuglinge. Realistischerweise ist eher mit weniger als 20 Jugendlichen und
Erwachsenen zu rechnen, davon etwa die Hälfte weiblich. Die durchschnittliche Lebenserwartung bei
der Geburt betrug nur etwa 22 Jahre, bei Erwachsenen auch nur 31 (Frauen) bzw. 38 (Männer)
Jahre.
Grabhügel
wurden für einen Toten neu angelegt und im zeitlichen Anschluss oft noch für - in der Regel
nicht mehr als 4 - Nachbestattungen benutzt. Die älteren und jüngsten Gräber der Hügelfriedhöfe
sind Brandbestattungen. Die Knochen der unverbrannt beigesetzten Toten hat der saure Mittelgebirgsboden
fast immer aufgezehrt. Hier zeugen nur Spuren von Baumsärgen oder hölzernen Grabkammern
und die Lage von Beigaben von der Bestattung.

Fast alle Gräber weisen wenigstens ein Tongefäß als Ausstattung auf und erlauben so eine
zeitliche und kulturelle Einordnung. Neben der Keramik, die zu einer Speisebeigabe gehört, haben
sich von der Totenausstattung zuweilen Gegenstände aus Metall erhalten. Aus Frauengräbern stammt überwiegend
Trachtenschmuck aus Bronze oder Eisen. Eisenwaffen, meist Lanzen- oder Speerspitzen, ganz selten Schwerter,
verraten Männergräber.
Tracht, Bewaffnung und Totenbrauchtum aber auch die Formen aller Gegenstände bezeugen neben regionaler
Eigenart Kontakte bis hin nach Mittel- und Süddeutschland. Zwischen Nahe und Ahr geben sich dabei
größere Gemeinsamkeiten zu erkennen. Die regionale Gruppe der "Hunsrück-Eifel-Kultur"
hat maßgeblichen Anteil an der Entstehung typisch keltischer Kulturmerkmale in Kunst und
Religion zur Zeit des 5.-4. Jahrh. vor Chr. Damit ist das Mittelrheingebiet fester Bestandteil
des keltischen Kemgebietes zwischen Westböhmen und Zentralfrankreich.