Von Hottenbach nach Fischbach

Stationen am Sironaweg

Sirona Pavillon bei Niederhosenbach und Römische Grabfunde aus Niederhosenbach/Griebelschied
Im Jahre 1988 stieß der Landwirt Manfred Wanninger beim Pflügen kaum 100 m nördlich dieser Stelle auf "zwei römische Aschenkisten". Einer der beiden Sandsteintröge ist hier in Kopie aufgestellt. Der langrechteckige Trog (0,91 x 0,47 x 0,41 m) weist zwei nahezu quadratische Vertiefungen (31 x 28 x 20 bzw. 30 x 29 x 20 cm) auf. Darin waren die Beigaben, drei Gefäße, abgestellt, von denen eines mit den aus dem Scheiterhaufen ausgelesenen Knochenteilen gefüllt war. Der Trog selbst war mit einem leicht gewölbtem Deckel (0,92 x 0,55 x 0,22 m) abgedeckt. Der zweite Trog war dagegen nahezu quadratisch (0,46 x 0,43 x 0,31 m) und zeigte nur eine Vertiefung (27 x 26,5 x 23 cm). Beide Aschenkisten gehörten wohl zu einem größeren Friedhof, der einer in der Nähe gelegenen römischen Villa zuzuordnen ist.
Insgesamt konnten die Reste von fünf Gefäßen geborgen werden (heute im Heimatmuseum Herrstein). Nur zwei waren nahezu vollständig erhalten. In der größeren Grabkiste standen ursprünglich ein schwarz engobierter, mit drei Kerbbandstreifenzonen verzierter Becher, ein braun marmorierter bauchiger Einhenkelkrug mit scheibenförmigem Halsring sowie ein ihm ähnlicher Doppelhenkelkrug. Der schwarz engobierte Becher enthielt den Leichenbrand.  Alle Gefäße datieren in die Zeit kurz nach 200 n. Chr.
Die kleinere Grabkiste barg einen ebenfalls mit Leichenbrand gefüllten, schwarz engobierten Faltenbecher mit ovalen Dellen, die von zwei Kerbbandstreifen eingefasst waren, sowie einen braun marmorierten kugelbauchigen Einhenkelkrug, dessen Hals und Mündung jedoch fehlten. Beide Gefäße datieren das Grab in die Zeit um 200 n. Chr.
Allgemein war in der Zeit des 1. - 3. Jahrhunderts die Brandbestattung üblich. Auf dem Scheiterhaufen wurde der Leichnam des Verstorbenen auf einem Totenbett oder einer Trage aufgebahrt und verbrannt. Danach wurde der Leichenbrand aus den Rückständen ausgelesen und in einem besonderen Behältnis aus Keramik oder Glas niedergelegt. Die Sitte, den Leichenbrand in kleineren Steinkisten zu bergen, ist im Birkenfelder Land weit verbreitet und in der näheren Umgebung auch in Oberhosenbach, Hottenbach und Herrstein belegt (meist im Museum Birkenfeld).
Die Beigaben wie die Ausstattung des Scheiterhaufens richteten sich nach dem sozialen Stand des oder der Toten. In der Regel wurde den Toten ein Satz an Keramikgefäßen mit Speisen und Getränken ins Jenseits mitgegeben. Seltener treffen wir noch Schmuck, vornehmlich Gewandspangen (Fibeln), oder bei Männern Gerätschaften aus ihrer Tätigkeit an. Häufig liegen die Bestattungen im Familienverband in einem umgrenzten Bezirk.
Die Mehrzahl der Gräber war wohl oberirdisch gekennzeichnet. Dennoch fand die von den Römern übernommene Sitte, über dem Grab ein Steinmonument zu errichten, im Birkenfelder Land nur geringen Niederschlag. Ein gutes Beispiel bildet jedoch ein Quader eines "Grabpfeilers aus dem frühen 3. Jahrhundert n. Chr.", der im Jahre 1903 beim Abbruch des alten "Kirchenschiffes von Hottenbach" zusammen mit weiteren reliefierten Steinen gefunden wurde, darunter dem Viergötterstein, der noch heute in Hottenbach zu sehen ist. Die Igeler Säule und die Grabmäler von Neumagen sind die bekanntesten Beispiele und wecken unser Interesse insbesondere wegen der Darstellungen aus dem antiken Alltagsleben.
Die Vorderseite des hier in Kopie aufgestellten Quaders läßt neben Akanthusranken noch die rechte obere Ecke einer Grabinschrift erkennen. Die Rückseite zeigt eine Rosette im Kreis bzw. einen achteckigen Stern, der aus zwei diagonal gestellten Quadraten gebildet wird und durchaus mit denen der bekannten Neumagener Denkmäler vergleichbar ist. Das 0,57 m hohe und 1,18 m breite Seitenbild ist weitgehend erhalten und zeigt eine Ankleideszene. Eine Frau sitzt aufgerichtet im Bett wobei ein Kissen ihren Rücken stützt. Vor dem Bett steht ein Korbstuhl. Ihr Oberkörper ist nackt. Ihr rechter Arm ist verloren, der linke ruht auf ihren Knien und hält einen herabhängenden Gürtel. Von links tritt eine Dienerin in gegürtetem Sagum hinzu und spreizt mit beiden Armen ein Gewand auseinander das sie ihrer Herrin Überwerfen will. Zwischen beiden Personen erkennen wir noch die gestreifte Rückenlehne der Liege. Das Relief hält somit einen Moment fest, der den ebenfalls auf Grabmälern so häufig dargestellten Frisierszenen vorausgeht.

 
Text Karl-Josef Gilles