Von Hottenbach nach Fischbach

Stationen am Sironaweg

Keltische Grabhügel im Perchwald
Auf der langgestreckten Anhöhe haben sich Teile eines frühkeltischen Grabhügelfriedhofes des 6.-3. Jahrh. vor Chr. erhalten. Die 19 Hügelgräber bilden bei einer Gesamtausdehnung von 400 m drei Gruppen mit Zwischenräumen von 100 - 200 m. Im Abstand von 400 m liegen nördlich von hier weitere, wohl zugehörige Grabhügel im Wald.
Zur frühkeltischen Zeit wurden die Toten stets unter Grabhügeln bestattet. Wie hier liegen die Hügelgräberfelder fast stets locker gruppiert auf weitläufigen Rücken. Im Laufe einer fortschreitenden Belegung über 300 Jahre erreichen diese Friedhöfe mit bis zu 120 Hügeln eine Gesamtausdehnung von 800-2000 m. Ausgehend von diesem Regelfall haben hier sicher nur Ausschnitte des keltischen Gräberfeldes die Zeiten überdauert.
Meist hat Waldbedeckung dafür gesorgt, dass die Grabhügel nicht durch Pflügen eingeebnet wurden. Der "Bergwald" war bereits im 18. Jahrh. Waldgebiet - fast in den heutigen Grenzen. Die Hügel 3-19 sind mit Höhen von 0,2-0,5 m bei 8 bis 15 m Durchmesser allerdings schon so stark verschliffen, dass sie vorher sicher längere Zeit überackert waren.
Die größten Hügel 1 und 2 lagen um 1800 in bewirtschaftetem Gelände, wurden wegen ihrer Höhe aber vielleicht beim Pflügen stärker ausgespart. Im Zuge des erwachenden Interesses grub der Birkenfelder Altertumsverein 1858 oder 1863 den größten Hügel 2 mit einem noch heute sichtbaren kreuzförmigen Schnitt an. 1912 wird von Grabungen in Hügel 3 oder 4 berichtet. 1972 wurden im Verlauf einer Erdgasleitung die Hügel 10 bis 12 vor der Abtragung untersucht.
Die bisher nachgewiesenen Toten waren unverbrannt in Baumsärgen mit Steineinfassung beigesetzt, versehen mit spärlicher Ausstattung. Keramik gehört zu einer Speisebeigabe; Eisenlanzen bzw. -Speere verweisen auf die Kriegerrolle des Mannes. In dem nördlich benachbarten Gräberfeldbereich sind auch Ringschmuckgarnituren von Frauen gefunden worden. Die Knochen hatte der saure Boden schon aufgezehrt. Ein kurzer Kindersarg erinnert aber an die bekannte Tatsache der extrem hohen Kindersterblichkeit früherer Zeiten.
Immerhin lag auch die durchschnittliche Lebenserwartung bei Erwachsenen nur bei 31 (Frauen) bzw. 38 (Männer) Jahren. Wie auch anderwärts wurde einer der Grabhügel (11) im Anschluss an die Erstbestattung für wenige Nachbestattungen benutzt.
Bei der geringen Größe der zu einem Gräberfeld gehörigen Gemeinschaft, eher weniger als 20 Jugendliche und Erwachsene, dürften ihre Mitglieder untereinander eng verwandt gewesen sein. Die Siedlungsgemeinschaft, die diese Grabhügel anlegte, hat sicher auch vorher und nachher bestanden.
Die unauffälligen Brandgräber diese Epoche werden aber nur zufällig und darum seltener als die auffälligen Grabhügel gefunden. Hier nun wurden im Bereich der angegrabenen Hügel Hinweise auf bronzezeitliche Besiedlung (12.-7. Jahrh. vor Chr.) wie auch ein spätkeltisches Brandgrab des 3.-1. Jahrh. vor Chr. entdeckt.

 
Text H. Nortmann