Eine alte Römerstraße?

Über
die Höhe zwischen Sulzbach und Kirn zieht sich 12 km weit eine alte Wegverbindung. Nördlich
setzt sich die Strecke in ähnlicher Weise fort zur Mosel bei Briedel und über den Idarwald
zur alten Straße nach Trier und Bernkastel. Heute verlaufen hier weitgehend befestigte
Wald- und Feldwege und Straßen.
Drei Eigenschaften zeichnen diesen Höhenweg aus: Er ist durchgehend
über lange Strecken, meidet weitestgehend Täler und Mulden und nimmt keinen Bezug auf
die nahegelegenen Orte. Genau diese Merkmale weisen auf eine überörtliche Fernverbindung,
eine Straße. Deren Alter ist noch weitgehend ungesichert.
Grundsätzlich war zu allen Epochen jede menschliche Ansiedlung durch gebahnte Wege mit der
Außenwelt
verbunden. Von Straßen zu sprechen ist aber nur bei bedeutenderen Verbindungen sinnvoll.
Eine Straße
ist zumindest ein gebahnter Weg, der auch von Wagen befahrbar und auf die zügige Verbindung
entfernterer Räume gerichtet ist. Solche Verbindungen
halten sich bis zur Neuzeit möglichst an die trockenen, festen Untergründe der Höhen.

Auf längere Strecke ausgebaut und befahrbar befestigt sind sie in der Regel noch nicht. Derartige
Kunststraßen gibt es im wesentlichen nur zur Römerzeit und seit der jüngeren Neuzeit.
Auf der Grundlage älterer Vermutungen über eine römische Querverbindung zwischen
Nahe und Mosel bzw. Nahe und Zentralhunsrück gilt die Strecke als "Römerstraße".
Dazu trugen auch
ältere Berichte über steinerne Befestigungen der Trasse bei.
Da der Hunsrück in römischer Zeit - wie schon vorher - mit Ausnahme der Kammlagen flächendeckend
besiedelt war, ist selbstverständlich ein gewisser Verkehr auch über die Höhe zwischen
Hosen- und Hahnenbach anzunehmen.
Eine bedeutendere, straßenartige römische Querverbindung Hunsrück - Nahe an dieser Stelle
ist aber sehr spekulativ, ganz im Gegensatz zu der archäologisch, literarisch und durch eine antike
Karte bezeugten römischen Hauptverkehrsachse Trier - Mainz (Ausoniusstraße)
über Noviomagus (Neumagen) - Belginum (Wederath) - Dumnissus (Kirchberg) - Bingum (Bingen).

Für
eine auch nur zweitrangige, die Region prägende Kunststraße römischer Zeit gibt
es derzeit keine ausreichenden Hinweise. Insbesondere wird auch am Nahetal ein römischer
Zielpunkt in Form eines bedeutenderen Ortes (Vicus) vermisst, wie er gerade durch die Bündelung
des Verkehrs an Straßenknoten erwartet werden kann.
Obwohl
derzeit noch konkrete Erkenntnisse fehlen, muss die historische Straße auch im Zusammenhang
anderer wichtiger Epochen der Landesgeschichte betrachtet werden: Zweifellos diente die Strecke seit
dem Mittelalter als ein Hauptverkehrsweg zwischen Mittelmosel und Nahe-Glan-Gebiet. Auch die Aufwertung
eines von vielen Wegen zur Straße passt wohl besser in das mittelalterlich bis neuzeitliche Siedlungsbild.
An Mittelmosel und Nahe lieferten seit dieser Zeit entstandene Städte und kleinere Herrschaftszentren,
Weinhandel und Bergbau, verstärkt Anlass für Verkehr, der so in römischer Zeit noch nicht
bestanden haben dürfte.
Westlich Sulzbach verdankt der nur als Name überlieferte historische
"Marktplatz Heuchelheim"offenbar seine Existenz der historischen Straße.