Keltische Burg Ringmauer bei Fischbach

Das
250 m tief in die umgebenden Hochflächen einschneidende Nahetal hat auch bei
den zufließenden Gewässern für hohe, steile Talflanken gesorgt. Entsprechend
haben hier zwei kleine Nebenbäche des Hosenbaches 60-100 m über dem Talgrund
einen spornartigen Felskopf herauspräpariert. Er ist nur über einen schmalen
Sattel mit der rückwärtigen Hochfläche verbunden, dorthin aber durch
eine 13 m hohe Felskuppe zusätzlich abgeriegelt. Es verwundert nicht, dass diese
natürlich gesicherte Position zur Anlage einer Befestigung ausgenutzt wurde.
Verfallene Steinmauern und künstliche Absätze um die Ostseite und am Nordrand
des Berges begründeten die Flurbezeichnung "Ringmauer". Lediglich
im oberen Abschnitt der Ostkante gibt sich eine wallartige Strecke auf 60 m eindeutig
als Befestigungswerk zu erkennen. 1971 bestätigte eine kurze Ausgrabung, dass
hier die Ruine einer Wehrmauer vorliegt. Ihre
Bauweise, aber auch die Größe der Anlage von 1,8 ha Innenfläche, sprechen
klar für eine keltische Burg. Mangels Funden ist darüber sonst nichts Verlässliches
bekannt.

Zwei
Terrassenabsätze im Innenraum dürften auf eine jüngere Nutzung zurück-gehen,
von der neben der Parzellierung auch verwilderte Obstbäume zeugen. Der Berg war
um 1812 auf jeden Fall noch gerodet und bewirtschaftet. Die untersuchte Mauer von 5,7
m Breite besaß innen und außen senkrechte Trockenmauerfronten
und eine Füllung aus Erde und Steinen. Ein eingebautes hölzernes Strebewerk
mit senkrechten Frontpfosten in 1 m Abstand ("Pfostenschlitzmauer") stabilisierte
den Mauerkörper und
hielt eine hölzerne Brustwehr. Wahrscheinlich hat diese Mauer einmal durch Brand
gelitten. Derartige Wehrmauern waren die einzigen Stein-architekturen
der Kelten. Die Unterhaltung der zunächst
sehr soliden Bauwerke erforderte allerdings wegen der eingebauten Hölzer nach wenigen
Jahrzehnten bereits eine grundlegende Erneuerung. In Fischbach gibt es zumindest Hinweise
auf eine solche mehrphasige Nutzung. Der für
die jüngere Nutzung gebräuchliche Zuweg über den Südhang ist nicht
unbedingt ursprünglich.
Das antike Tor könnte auch an der nördlichen Spitze gelegen haben, wo zwischen
der höchsten
Kuppe und dem Steilhang der Zugang leicht kontrolliert werden konnte.

Vermutungen über die Innenbebauung und Nutzung der Burg können erst gewagt werden, wenn innerhalb
der keltischen Epoche eine zeitliche Eingrenzung möglich ist.
Bisher kennt man im mittelrheinischen Bergland kurzlebige frühkeltische Burgen um 515 vor Chr. und
längerfristig belegte spätkeltische Burgen des 4.-1. Jahrh. vor Chr.. Beide
Burgenformen dienten wohl der Herrschaftssicherung und demonstrativen Selbstbehauptung
lokaler Herren in Kleingebieten von etwa 10 -15 km Ausdehnung.
Da der nächste Nachbar des älteren Burgentyps nur 2,3 km entfernt bei Kirnsulz-bach ("Bremerberg")
bekannt ist, gehört die Fischbacher "Ringmauer" vielleicht eher zu den jüngeren Burgen.
Deren zeitgleiche Nachbarn wären dann 10 - 12 km entfernt bei Kempfeld ("Wildenburg"),
Bundenbach ("Altburg"), Dhaun ("Schloss-berg") und Frauenberg ("Nahekopf')
zu suchen.
Da keltische Burgen überall im Lande angetroffen werden, kann die Burgengrün-dung in Fischbach
nicht speziell auf die Kupferlagerstätten des engeren Umfeldes bezogen werden. Der Burgherr, der
hier ansässig war, verfügte allerdings im Fischbacher Revier über den Zugang zu Erzen,
die bereits in keltischer Zeit ausgebeutet worden sein dürften.