Von Fischbach zur Wildenburg

Stationen am Sironaweg

Archäologisch-Historischer Rundweg Wildenburg
Auf dem Wildenburgsattel
Die natürliche Verbindung über den Wildenburgkamm lief früher hier vorbei, nicht wie heute 2 km westlich im engen Talgrund des "Katzenloches". Im Bereich von Parkplatz und Tiergehege sind Reste einer römischen Bebauung bekannt. Wahrscheinlich lag hier bis zum Germaneneinbruch von 275 nach Chr. ein römisches Landgut (villa rustica).
Rundwegbeginn (1)
Bis hierher ist im Vorfeld der mittelalterlichen "Wildenburg" das Gelände stark umgestaltet worden. Die dabei zerstörten keltischen Mauerreste setzen kurz hinter dem Waldrand ein. Der Rundweg läuft zunächst am Fuß der Steinhalde entlang, die im Hang einen deutlichen Absatz bildet und dadurch eine Mauerruine anzeigt.
Erste Rekonstruktion der keltischen Wehrmauer (2)
Der verfallene Mauerring der keltischen Burg läßt sich am Verlauf der wallartigen Steinhalden ablesen. Am Standort wurde die innere der beiden Bogenmauern untersucht, die sich hintereinander über den weniger steilen Südhang ziehen.
Die äußere Bogenmauer ist 70 m unterhalb ebenfalls an einem rekonstruierten Mauerstück auszumachen. Beide Bogenmauern wurden gleichzeitig in einer Technik errichtet, die in dem hier rekonstruierten Stück nachempfunden wurde: Es handelt sich um mindestens 3,1-3,8 m breite und etwa ebenso hohe Mauern mit senkrechter Außen- und Innenfront. Die Wehrgänge waren durch eine hölzerne Brustwehr geschützt. Die Steinfronten sind aus den natürlichen Quarzitsteinen trocken aufgesetzt und innen mit Steinen verfüllt worden. Zur Stabilisierung besaß der Mauerkörper ein für alle keltischen Wehrmauern charakteristisches hölzernes Strebwerk. Hier handelt es sich um gekreuzt verlegte Stämme, die nur mit den Köpfen oder gar nicht aus der Außenfront herausschauten.
Caesar schreibt über solche keltischen Mauern: "Die gallischen Mauern haben alle etwa folgende Bauart: Balken werden rechtwinklig zur Mauerrichtung in einem Abstand von zwei Fuß ... auf den Boden gelegt. ... Die Zwischenräume werden auf der Außenseite mit großen Steinen ausgefüllt. Sind diese fest ... zu sammengefügt, wird eine zweite Schicht daraufgelegt, so daß ... die Balken ... durch die dazwischengelegten Steine unverrückbar festgehalten werden. So wird das ganze Werk ... aufeinandergeschichtet, bis die richtige Mauerhöhe erreicht ist. Meistenteils durch ... durchlaufende Querbalken ... verankert, können die Mauern weder eingestoßen noch auseinandergerissen werden.
Wie ein solches Mauerwerk einerseits ... nicht häßlich ist, so hat es andererseits vor allem den sehr großen Vorteil, ... ein sicherer Schutz zu sein, da die Steine die Balken vor Feuer, und die Balken diese gegen die Mauerbrecher schützen."
Solche Wehrmauern waren die einzigen Steinarchitekturen der Kelten. Wegen der eingebauten Hölzer hatten die zunächst sehr soliden Bauwerke nur eine Lebensdauer von wenigen Jahrzehnten.
Inneres Tor der keltischen Burg (3)
Das wohl einzige Tor in den inneren Ring der keltischen Burg ist nicht untersucht. Die ursprüngliche Lage an dieser Stelle ist durch die gegeneinander versetzten Enden des Steinwalles zweifelsfrei gesichert. Durch diese Anordnung entstand eine Torgasse, die durch einen hölzernen Torbau zugesetzt war. Die Anordnung des Tores verhinderte einen direkten Zugang. Ein Angreifer, der das Tor aufbrechen oder in Brand setzen wollte, mußte sich dabei seitlichem Beschuß der Verteidiger aussetzen.
Zusammenfassende Grundinformation am Waldweg (4)
Zweite Rekonstruktion im Bereich der keltischen Außenmauer (5)
An dieser Stelle wurde die äußere der beiden keltischen Bogenmauern untersucht, Bauweise und Zeitstellung entsprechen der inneren Bogenmauer. Das hier rekonstruierte Mauerstück zeigt allerdings einen abweichenden Bautyp mit senkrechten Holzpfosten in den Mauerfronten, zwischen denen im Mauerinnern hölzerne Queranker angebracht waren. In dieser Art war die auf der Höhe im nördlichen Steilhang gelegene Außenmauer errichtet. Auch die den beiden Bogenmauern , im Zuge einer Reparatur vorgeblendeten Steinfronten zeigten teilweise solche eingelassenen Pfosten. 70m westlich vom Standort weist eine schräge Lücke im Steinwall auf die Lage des äußeren Tores zur keltischen Burg.
Wasserstelle (6)
Zwischen den beiden keltischen Bogenmauern befand sich ein nicht sehr ergiebiger Wasseraustritt. Die Stelle ist im 18. Jh. mit einer hölzernen Wasserleitung zur Speisung eines Brunnens (Viehtränke?) eingerichtet worden. Ähnlich den Verhältnissen in anderen keltischen Burgen scheint eine Nutzung dieser Wasserstelle innerhalb der Befestigung für die Burgbewohner keine entscheidende Rolle gespielt zu haben.
Keltische Mauerreste (7)
An dieser Stelle des äußeren Walles wurden hintereinander zwei keltische Mauerfronten beobachtet und weitgehend im freigelegten Zustand belassen: Die ursprüngliche Wehrmauer zeigt außen keine Aussparungen eines Holzgerüstes. Ihre trocken gesetzten Steine sind vielfach verrutscht und machten eine Reparatur nötig. Die vordere Mauerfront, nur im Fundament erhalten, war der älteren Mauer vorgeblendet worden. In rund 2 m Abstand sind darin die Aussparungen von senkrechten Holzpfosten beobachtet worden. Sie trugen über der mindestens 3,80 m hohen Steinfront noch die hölzerne Brustwehr.
Hexentanzplatz (8)
Das von Quarzitklippen überragte Ostende des Gipfelplateaus erhielt im Zeitalter der Romantik den Namen "Hexentanzplatz". Hier laufen von Süden beide Bogenmauern der keltischen Burg zusammen. Auf der anderen Seite der Felsklippen setzte 3m tiefer im Steilhang die nördliche Wehrmauer der keltischen Burg an. Diese Mauer ist heute weitgehend abgestürzt. Nach dem Beispiel anderer keltischer Burgen dieser Zeit (Bundenbach, Otzenhausen) war der Innenraum wahrscheinlich insgesamt dicht mit lehmverputzten Fachwerkhäusern bebaut. Bei den Ausgrabungen konnten davon nur noch wenige Spuren festgestellt werden. Eine schmale Trockenmauer um die Oberkante der östlichen Plateauspitze gehört wahrscheinlich schon der römischen Nutzungszeit an. Das Mauerfundament ist besonders gut in der ersten Lücke der Felsklippen erhalten.
Zisterne (9)
Ein bescheidener natürlicher Wasseraustritt nahe dem höchsten Punkt des Berges ist zu einem unbekannten Zeitpunkt als flacher Teich gefaßt worden, wahrscheinlich als Pferdetränke am Zugang zur mittelalterlichen "Wildenburg". Im Gegensatz zur weiträumigen keltischen Burg konzentriert sich die römische Nutzung vorwiegend auf den westlichen und höchsten Teil des Berges. Vom Heiligtum haben sich keine sichtbaren Spuren erhalten. Die zu seinem Bau herangeschafften ortsfremden Sandsteine sind beim Bau der spätrömischen Festungsmauern und für die mittelalterliche Burg wiederverwendet worden.
Spätrömische Befestigungsmauer (10)
Auf der höchsten Kuppe des Berges schützte eine Mauer einen etwa 100 x 40m großen Innenraum, deren Fundamente hier noch erhalten sind. Jene Mauer ist bis zu 1m stark und besteht aus sorgfältig in Lehm verlegten Steinlagen. Beim Bau dieses Befestigungsbauwerkes wurden Sandsteine von den Ruinen des älteren römischen Heiligtums wiederverwendet. Die kurzfristige Nutzung fällt in die kriegerischen Jahre nach der Erhebung des Gegenkaisers Magnentius (350 nach Chr.) und endet bereits 353 nach Chr.
Mittelalterlicher Burggraben der "Wildenburq" (11)
Auf der Höhe des Bergrückens lag der einzige bequeme und damit gefährdete Zugang zur mittelalterlichen "Wildenburg". Zwei künstliche Felsgräben in 10 m Abstand sicherten diese Front und waren wohl nur über eine Holzbrücke passierbar.
Die Burg der Wildgrafen (12)
1328 erbaut Wildgraf Friedrich von Kyrburg auf dieser Felsnase die damals so benannte "Wildenburg" zur Sicherung seiner verstreuten Besitzungen gegen die Trierer Kurfürsten. Die eigentliche Burg (Oberburg) war kaum mehr als ein turmartig festes Haus. Seine Reste verbergen sich wohl in dem rundlichen Gemäuer am Rande der Plattform. Der runde Aussichtsturm von 1976-1981 hat in dieser Form früher sicher nie bestanden. Von seiner Höhe bietet sich ein Blick auf die Lage der "Wildenburg" an: im Süden liegt das aufgelockerte, besiedelte Hunsrückvorland bis zur Nahesenke. Von Nordosten bis Südwesten erstrecken sich die beiden bewaldeten Hauptrücken des Hunsrücks, dazwischen wenige vorgeschobene Dörfer.
Unterburg und Nebengebäude zum Amtshaus "Wildenburg" (13)
Bis zur Aufhebung der Grafschaft 1792 diente die "Wildenburg" als Verwaftungssitz des Amtmanns für die umliegenden Dörfer. Der Amtmann, sein Personal und die Burgbesatzung wohnten am Fuß des Burgberges in der Unterburg, die auch durch einen Mauerring gesichert war. Von den nach 1651 erneuerten Bauten blieben nach 1792 nur die um einen Hof gruppierten Wirtschafts- und Nebenbauten teilweise erhalten.

Zur archäologischen Denkmalpflege
Das Gelände um die Wildenburg ist als archäologisches Denkmal besonders eindrucksvoll, weil es auch oberirdisch sichtbar ist. Ebenso interessant und wichtig ist aber auch der im Boden verborgene Rest. Alle archäologischen Fundstellen, ob sichtbar oder noch verborgen, sind von Gesetzes wegen geschützt, um sie der Allgemeinheit zu erhalten. Grabungen (selbst kleinste Schürfungen!) sind dort grundsätzlich verboten, ebenso strikt aber auch das Suchen und Mitnehmen archäologischer Reste. Zufallsfunde sind meldepflichtig! Bei entsprechenden Beobachtungen wenden Sie sich bitte an das Rheinische Landesmuseum Trier oder die Kreisverwaltung Birkenfeld. Bitte halten Sie sich im Interesse der Natur und des Denkmalschutzes an die vorgegebenen Wege und vermeiden Abfälle!

Autoren:    H. Nortmann, M. Braun