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Evangelische Kirche Heiligenbösch auf antiken Ruinen
Die 1438 ersmals in der schriftlichen Überlieferung erwähnte Anlage war Ortskirche eines untergegangenen Dorfes. Ihr Turm ist noch romanischen Ursprungs.
Die Kirche diente als Wallfahrtskirche zu Ehren des hl. Johannes des Täufers an zwei Jahrmärkten, deren Einzugsbereich bis an die Mosel und in die Pfalz reichte, am 29. August (Enthauptung des Johannes) und 19. November (Elisabeth). Archäologische Untersuchungen (1952, 1963, 1968, 1996) haben ergeben, dass die alte Wallfahrts- und heutige Pfarrkirche Heiligenbösch auf den Ruinen einer ausgedehnten antiken Villenanlage steht.
Die im Bereich der Kirche nachgewiesenen antiken Mauerzüge und Raumfolgen gehören zum Badetrakt dieser Villa. Ihre Baufluchten gaben die Ausrichtung des Gotteshauses vor. Es lassen sich zwei römische Bauperioden erkennen: Demnach wurde ein kleines Bad in der Spätantike durch eine aufwändigere Badeanlage ersetzt.
Sowohl die romanische Kirche als auch der barocke um 1730 errichtete Neubau, nutzten den spätrömischen Estrich weiter. Der Befund zeigt, dass bis in das Hochmittelalter hinein noch bedeutende Baureste des Badetraktes erhalten geblieben waren und dann einer neuen Zweckbestimmung zugeführt wurden.
Damit gehört die Kirche in Leisel-Heiligenbösch zu einer ganzen Reihe von Kirchenbauten, die in antiken Ruinen entstanden. Als Beispiele der näheren Umgebung lassen sich Tholey, Diekirch und Konz (römische Villen), Pfalzel (spätantiker Palast), St. Irminen in Trier (römische Speicherhallen) oder St.-Pierre-aux-Nonnains im Metz (antiker Thermenbau) anführen.
Reste eines Römischen Bades:

Während der Ausgrabungen wurden 1963 vom Rheinischen Landesmuseum Trier folgende Räume freigelegt:
Raum 1


Raum 2

Raum 3-5

Raum 5
Raum 6

Raum 7
Raum (möglicherweise auch offener Hof) zur Feuerung der röm. Fußbodenheizung in den Räumen 2 und 7 (Raum 1 = Praefur- nium).
Beheizt. Hier befand sich möglicherweise ein Badebecken, das Warmwasserbad (Caldarium).
Zweckbestimmung aus Grabungsbefund nicht erkennbar; mög- licherweise dienten sie als Kaltbad (Frigidarium).
Durch neuzeitliche Bestattung gestört.
Größe 1,55x2,10m. Hier befand sich ein Wasserbecken, das man über zwei aus Ziegelplatten gemauerten Stufen erreichte.
Auch dieser Raum war ehemals beheizt und könnte als Tepida- rium (mäßig temperierter Übergangsraum) genutzt worden sein.
In einer späteren römischen Benutzungsphase wurden die Räume 4,6 und 7 zusammengefaßt, indem die Hypokausten ausgeräumt und mit Bauschutt angefüllt wurden. Die Zwischenmauern wurden abgebaut.

 
Text L. Clemens