Keltische Burg "Altburg" bei
Weiersbach

Am
Engtal der Nahe grenzen zwei Bachtäler einen Felssporn ab, der nur
über einen schmalen Rücken zugänglich ist. Diese natürlichen Bedingungen
wurden zur Anlage einer keltischen Burg genutzt. Nur ein schmaler Grat, heute vom Waldweg genutzt,
führt halbwegs eben zur Spitze des Sporns. Diese erweitert sich zu einer 1,5 Hektar großen
Hochfläche, die allseits von Steilhängen und Felswänden gesäumt. Dieses kleine
Plateau mit seinen heute wallartig erscheinenden Randbefestigungen erkannten schon die mittelalterlichen
Bewohner des Umlandes als "alte Burg". Archäologische Ausgrabungen lieferten 1968
und 1994 weitere Informationen.
Am natürlichen Zugang vom Rücken her sperrt ein kleiner Felskopf die Engstelle und ist als
Eckpunkt in die Befestigung einbezogen. Erst 90 m westlich führt der alte Zugang schräg den
Hang hochsteigend zum ehemaligen Burgtor.
Ein Angreifer setzt sich in Tornähe seitlich den Attacken der Verteidiger auf dem Wehrgang aus,
und zwar auf der waffentragenden rechten Seite, die nicht durch den Schild gedeckt war.

Das Tor, das
schon durch seine zurückgesetzte Lage besonders geschützt war, läßt an gegeneinander
versetzten, überlappenden Wallenden noch heute Trichterform erkennen. Wer sich in dieser Torgasse
dem innen liegenden Tor gewaltsam nähern wollte, war von drei Seiten dem Nachbeschuß der erhöht
und gedeckt plazierten Verteidiger ausgesetzt. Es ist das von jüngeren Burgen bekannte Prinzip des
Zwingers.
Es gibt nur bescheidene Hinweise auf die Konstruktion des hölzernen Torbaues: Gegenüber der
inneren Mauerecke war ein mächtiger Pfosten fundamentiert, wohl Teil einer Rahmenkostruktion für
ein zweiflügeliges Tor mit einer Durchlaßbreite von knapp 2,5 m. Die auf der nördlichen
und südlichen Hangkante verlaufenden Steinwälle oder Absätze sind Ruinen künstlicher
Befestigungszüge. Ursprünglich erhoben sich hier 4 m breite Mauern mit senkrechten Innen- und
Außenfronten von 2,4 m Höhe, trocken aufgesetzt und im Innern regellos mit Steinen und Lehm
verfüllt. Die Mauerkrone diente, bekrönt von einer hölzernen Brustwehr, als Wehrgang.
Solche Befestigungen waren die einzigen Steinbauten der Kelten. Ungewöhnlich für eine keltische
Mauer ist hier nur das Fehlen - zumindest im Sockelbereich - eines sonst fast immer im Mauerkörper
eingebauten Stützwerks aus Holzbalken.
Die "Altburg" besitzt nur eine Bauphase. Da die Art der Mauern zur Erhaltung ihrer Funktion
regelmäßige Erneuerungen verlangen, ist eine nur kurzfristige Nutzung von wenigen Jahrzehnten
anzunehmen.

Weil
auch nennenswerte Spuren einer Innenraumnutzung fehlen, war die Burg eher ein in Ausnahmefällen
aufgesuchter befestigter Stützpunkt. Solche
Burgen sind vor allem aus frühkeltischer Zeit,
um 520 vor Chr. im Lande vielfach bekannt. Der Erbauungszeitraum fällt sicher in die keltische Epoche,
ist aber nicht verläßlich
genug eingrenzbar. Etwas Scherbenabfall und verkohlte Speisereste aus der Zeit des Baubetriebs deuten
auf eine Episode im 4.-1. Jahrh. vor Chr. hin. Keltische Burgen dieser Zeit sind sonst allerdings mehrphasig
und waren längere Zeit dicht und dauerhaft bewohnt. Im unmittelbaren Vorfeld liegt 250 m westlich
ein spätkeltischer-frührömischer Friedhof (1. Jahrh. vor Chr.- 1. Jahrh. nach Chr.) mit
Adelsgräbern. Ein Zusammenhang zwischen dieser Personengruppe und der Erbauung und Nutzung der "Altburg" ist
aus zeitlichen Gründen unwahrscheinlich.