Von Oberhambach nach Weiersbach

Stationen am Sironaweg

Keltische Prunkgräber "Auf dem Hasselt"
Der von Traunbach, Steinau und Nahe eingefaßte Höhenrücken trug auf seiner bewaldeten Spitze eine Gruppe von 10 frühkeltischen Grabhügeln. Die reihten sich über 425 m entlang des Kammes. 1952 sind sie für den Bau eines Lazaretts, heute Fachhochschule, nach knapper Untersuchung abgetragen worden. 1999 wurde vor Ort ein Grabhügel nachgebaut. Zur frühkeltischen Zeit, im 6.-3. Jahrh. v. Chr., waren alle Gräber unter Hügeln beigesetzt. Solche Grabhügel haben sich meist nur unter Waldbedeckung bis heute erhalten.
Keltische Hügelgräberfelder liegen immer auf Rücken oder Hochflächen und erreichen mit bis zu 120 Hügeln über gut 300 Jahre hin eine Gesamtausdehnung von 800-2000 m. Die 10 Hügel auf dem "Hasselt" bilden eine kleine Sondergruppe, deren Einbindung in einen größeren Friedhofszusammenhang heute nicht mehr verläßlich zu rekonstruieren ist.
Die mit 30 m Durchmesser größten und ältesten Grabhügel (1-2) lagen ursprünglich bewußt isoliert gegen den Talrand vorgeschoben.
Es handelt sich um Prunkgräber, die aufgrund ihrer ungewöhnlichen Ausstattung und abgesetzten Lage der keltischen Führungsschicht ("Adel") zugeordnet werden können. An diesen Prunkgräbern orientieren sich im zeitlichen Anschluß einfachere Bestattungen.
Hügel Nummer 1 barg das Grab eines Kindes mit voller Waffengarnitur, dazu eine aus dem etruskischen Italien importierte Bronzekanne. Der junge Tote gewann seine hervorgehobene Stellung offensichtlich nicht kraft eigener Persönlichkeit, sondern als Mitglied einer (Adels-) Familie. Hügel Nummer 2 enthielt ebenfalls ein Kriegergrab. Bemerkenswert sind hier neben goldenen Zierblechen zwei getriebene Bronzegefäße einheimischer Arbeit. Davon gehört der bronzene Siebtrichter zu den Spitzenerzeugnissen frühkeltischen Kunsthandwerks. Er greift sowohl nach dem Verwendungszweck - Filtern von Würzwein - wie nach der Verzierung etruskische Vorbilder auf. Bestandteile gehobener-mediterraner Lebensart genießen als Prestigegüter zeitweilig höchste Wertschätzung. Sie transportieren aber auch eine fremde Bilderwelt in ein Gebiet, das von jeher aufgrund religiöser Tabus kaum Bilder kannte. Die Verarbeitung von Anregungen aus dem Mittelmeerraum bewirkt im 5. Jahrh. v. Chr. einen weiträumigen geistig-religiösen Umbruch, der erst das charakteristisch keltische Kulturbild begründet.
Träger dieser Neuorientierung ist wesentlich der keltische Adel, dessen männlicher Teil einem Kriegerideal verpflichtet ist.
Dabei unterhalten die keltischen Führungsschichten großräumig Verbindungen untereinander, die ein gewisses Gemeinschaftsbewußtsein erkennen lassen. An diesem Prozeß, der sich an den Gräbern von Hoppstädten beispielhaft zeigt, hat das Mittelrheingebiet prominenten Anteil.
Auch das benachbarte Kriegergrab im kleineren Hügel Nummer 3, bereits 1844 angegraben, könnte noch zur Gruppe der Prunkgräber gehört haben. Es war nämlich offenbar auch mit italischem Bronzegeschirr versehen. Sehr ungewöhnlich ist der jüngere Hügel Nummer 4 mit einem Kranz von 33 mächtigen Holzpfosten um den Hügelfuß. Eine Garnitur von bronzenen Hals-, Arm- und Beinringen verrät ein Frauengrab. Es gibt aber keinen Hinweis, wie die Auszeichnung dieser Toten zu verstehen ist, die sich auch in einem goldenen Fingerring äußert.

 
Text H. Nortmann