Ausoniusstraße: Ein alter Römerweg

Der Hunsrückhöhenweg und eine Reihe anderer Höhenwege
der Region datieren in die Bronzezeit zurück, sind in ihren Ursprüngen aber
vermutlich viel älter. Die Römer bauten im Zuge des Gallischen Krieges die
bestehenden Handelsrouten als "Steinstraßen"
aus, die schnurgerade die Landschaft durchzogen und mit Meilensteinen und Wachtürrnen
bestückt waren. Das Netz der vorhandenen Überlandwege wurde durch zusätzliche
Vicinalstraßen ergänzt. Es handelte sich dabei um feste Straßen mit
einem sehr komplexen, aus mehreren Schichten bestehenden Aufbau, der eine Jahrhunderte überdauernde
Konstruktion ermöglichte. Die Straßen waren etwa 5-6 m breit, so dass 2
Wagen einander problemlos passieren konnten. Auch gab es schon Straßenkarten.
Das Beispiel einer solchen Straßenkarte ist uns in der "Tabula Peutingeriana" überliefert
(sie stammt aus dem Kloster Reichenau auf der gleichnamigen Insel im Bodensee, genannt
nach dem Gelehrten K. Peutinger, 1465-1547). Als Hauptachse des Hunsrücks verband
die 'Via Ausonia" die Regionen von Mainz (Moguntiacum) und Bingen (Binginium)
mit der spätantiken Kaiserstadt Trier (Augusta Treverorum). Heute "Ausoniusweg" genannt
nach dem römischen Dichter Decimus Magnus Ausonius, der um 370 n. Chr. in einer
Kutsche von Mainz über den Hunsrück nach Trier reiste, um dort am Kaiserhofe
eine Stelle als Lehrer und Erzieher anzutreten. Seine Reiseeindrücke hat er im
Gedicht "Mosella" verewigt. Die Verbindung über den Hunsrück wird
aber bereits viel früher in der Geschichtsschreibung des Publius Cornelius Tacitus
(55-116 n. Chr.) indirekt erwähnt.
Der Ausoniusweg wurde vom Hunsrückverein markiert und ist über weite Strecken
auf der Route Bingen, Rheinböllen, Simmern, Kirchberg, Dill, Hochscheid, Belginum,
Gräfendhron, Fell und Trier begehbar. Für die Gesamtstrecke benötigt
man bei 20km-Etappen knapp eine Woche:
1. Etappe Bingen-Rheinböllen (22 km),
2. Etappe Rheinböllen-Kirchberg (23 km),
3. Etappe Kirchberg-Hochscheid (17 km),
4. Etappe Hochscheid-Gräfendhron (22 km),
5. Etappe Gräfendhron-Fell (21 km),
6. Etappe Fell-Trier (13 km).
Der in der obigen Abbildung gezeigte (rekonstruierte) römische Wachturm steht
am Waldesrand oberhalb des Dörfchens Dill direkt an der alten Römerstrasse "Via
Ausonia". Vom nahegelegenen Wanderparkplatz sind es keine 15 Minuten zu gehen,
um einen großartigen Eindruck von der Bedeutung dieses alten Verkehrsweges vermittelt
zu bekommen und sich der Jahrtausende alten Geschichte der Region bewusst zu werden.
Keinesfalls sollte man auch versäumen, dem Dörfchen Dill selber einen Besuch
abzustatten mit seiner interessanten Kirche und seiner mächtigen Burg aus dem
Jahre 1107. Die Burg kam 1124 in den Besitz der Grafen von Sponheim, erlangte aber
niemals eine größere militärische Bedeutung. Dill liegt in einer engen
Schleife des Diller Baches, etwa 5 km westlich von Kirchberg.