Von Birkenfeld zum Keltischen Ringwall nach Otzenhausen

Stationen am Sironaweg

Keltischer Ringwall bei Otzenhausen
Die irreführend als "Hunnenring" bezeichnete Ringwallanlage auf dem Dollberg (620 m) bei Otzenhausen wurde von den Kelten der Latène-Zeit (500-20 v. Chr.) errichtet. Die Anlage hat die unglaubliche Länge von 1360 m für den Hauptwall und zusätzliche 850 m für den Vorwall. Mehr als 200.000 Kubikmeter Bruchsteine sind hier zu einer Anlage verarbeitet worden, die ein Areal von fast 19 Hektaren einschließt. Die Dimensionen sind wahrhaft gigantisch: im Norden ist der Hauptwall heute noch 10 m hoch bei einer Fußbreite von 40 Metern! Man muss sich vorstellen, dass die Bruchsteine ehedem durch ein Balkengerüst zusammengehalten wurden und senkrechte Mauern bildeten (lateinisch "Murus Gallicus"), um so eine städtische Siedlung der Treverer (lateinisch "Oppidum") vor Eindringlingen zu schützen. Man schätzt, dass der Nordwall eine Höhe von 25 m hatte. Der Eingang führte durch das 6 m breite Westtor, das durch einen Mittelpfosten in zwei gleichgroße Durchgänge unterteilt und offensichtlich durch eine wehrhafte Holzkonstruktion überdacht war. Zusätzliche seitliche Schutzmauern dienten ebenfalls der Verteidigung.
Die Ringwallanlage in ihren heutigen gewaltigen Dimensionen wurde im 1. Jahrhundert vor Chr. erbaut, d.h. in der späten Latène-Zeit. Mit großer Wahrscheinlichkeit gab es aber an gleicher Stelle bereits eine Vorläuferburg aus der frühen Latène-Zeit (5. Jahrhundert vor Chr.). Diesen Schluss legen die reich ausgestatteten Fürstengräber aus eben dieser Epoche nahe, die im Jahre 1848 in Schwarzenbach, einem Dorf am Fuße des Dollbergs, entdeckt wurden.
Tatsächlich liegen die Fürstengräber der frühen Latène-Zeit immer in Sichtweite "ihrer" Burg. Die Konstruktion der weitläufigen Anlage mit dem bautechnisch einfacher ausgeführten Vorwall lässt eine kontinuierlich gewachsene, befestigte Siedlung annehmen, wohin die Bevölkerung der Umgebung in Krisenzeiten ihr Vieh in Sicherheit bringen konnte. Die heute noch im inneren Bereich existierende Wasserquelle stellte sicher, dass auch längere Belagerungen unbeschadet überstanden werden konnten. Eine entsprechende Vorratshaltung ist nachgewiesen.
Man nimmt an, dass die Anlage auf dem Dollberg die Stammburg einer alten keltischen Dynastie war und vermutlich das Machtzentrum der in dieser Region ansässigen Treverer bildete. Wir glauben aus Julius Cäsaes Berichten über seinen "Gallischen Krieg" sogar zu wissen, dass es der keltische Fürst Indutiomarus gewesen ist, der den Ausbau der Befestigungsanlagen auf dem Dollberg um das Jahr 80 vor Chr. begonnen hat. Ursprünglich wohl zum Schutz gegen eindringende Germanenstämme (Kimbern, Teutonen, Stieben und Alemannen) geplant, geriet die Festung dann zu einem eigentlichen Zentrum des Widerstandes gegen die Römer. Dies in einer Koalition mit zwei anderen Stämmen der Treverer (aufgrund der Dreierkoalition entstand vermutlich auch der lateinische Name "Treverer", tre=drei). Die Kämpfe gegen Cäsar endeten mit dem Tode von Indutiomarus im Jahre 54 vor Chr. und der Niederlage der Kelten. Im gleichen Jahr verließ die Familie des Indutiomarus die Burg auf dem Dollberg. Danach blieb die Anlage unbewohnt und verfiel nach und nach. Einzig ein kleiner Tempel aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. lässt vermuten, dass der Dollberg auch in römischer Zeit als Heiligtum genutzt wurde, jedoch ohne größere Bedeutung blieb.
Ähnliche Anlagen, wenn auch von viel kleineren Ausmaßen, finden sich u.a. auf dem Ringkopf bei Allenbach, auf der Altburg bei Weiersbach, in der rekonstruierten Altburg bei Bundenbach und auf dem Wildenburgerkopf bei Kempfeld. Es lohnt sich, die Besichtigung des "Hunnenrings" mit einer Rundwanderung zu verbinden. Zum Beispiel mit Züsch als Ausgangspunkt, einem kleinen Ort am nordöstlichen Fuße des Dollbergs. Von dort geht es hinauf zur Ringwallanlage. Der Rückweg führt dann hinunter zum Primstal-Stausee, entlang dessen Ufer man bequem zum Ausgangspunkt zurückgelangt.

 
Text: Dr. Hans H. Stassen